Kempters Pastoralmesse in G aufführen: Praxis-Leitfaden für Chorleiter und Kirchenmusiker

Siebzehn Minuten Weihnachten in G-Dur — was die Pastoralmesse von Ihrem Chor verlangt, welche Besetzung Sie wirklich brauchen und wie Sie sie bis zur Christmette sicher erarbeiten.

Von Paul Lorenz • 10 Min. Lesezeit • 22. Oktober 2026
Christmette in einer barocken bayerischen Dorfkirche: Chor und kleines Orchester auf der Orgelempore, darunter Krippe und Christbaum im Kerzenlicht
≈ 17 Minuten für das gesamte Ordinarium,
Kyrie bis Dona nobis pacem
Berechnet aus den Metronomangaben
1851 Uraufführung am Heiligen Abend
in Augsburg
Seither fester Teil der bayerischen Weihnachtsmusik
3 Besetzungsstufen aus einem Material:
Chor + Orgel, + Streicher, + Bläser
Dieselben Chorstimmen in allen drei

Es gibt Werke, die man aufführt, und Werke, auf die eine Gemeinde wartet. In vielen Kirchen Bayerns und Österreichs gehört Karl Kempters Pastoralmesse in G zur zweiten Sorte: Wenn in der Christmette das Kyrie im wiegenden 6/8-Takt einsetzt, ist für viele Menschen in der Bank erst wirklich Weihnachten. Das ist ein Geschenk für jeden Kirchenmusiker — und eine Verpflichtung, denn genau diese Menschen wissen, wie die Messe klingen soll.

Ich habe die Pastoralmesse zahlreiche Male mit Orchester, Chor und Solisten aufgeführt. Was folgt, ist das, was ich vor der Planung gerne gewusst hätte: was das Werk ist, welche Besetzung Sie tatsächlich brauchen, wie Sie es zwischen Oktober und Heiligabend erarbeiten und woran Sie Aufführungsmaterial erkennen, das Ihnen im Dezember keine Abende kostet.

Kurzfassung

Karl Kempters Pastoralmesse in G-Dur, op. 24, ist eine Weihnachtsmesse von rund 17 Minuten in sechs Sätzen, uraufgeführt am 24. Dezember 1851 in Augsburg. Sie ist für SATB-Chor mit Soli, Streicher und Orgel geschrieben; Flöte, Klarinetten, Hörner, Trompeten und Pauken gelten in Bibliothekskatalogen des Originals als nicht obligat. Damit funktioniert sie mit Chor und Orgel allein ebenso wie mit vollem Orchester. Eigene Solisten sind nicht nötig — die Soli stehen in den Chorsystemen. Probenzeit gehört vor allem dem Credo mit seinen Tempowechseln und einem leichten, tänzerischen 6/8 in Kyrie, Sanctus und Benedictus.

Was die Pastoralmesse ist

Die Pastoralmesse in G-Dur, op. 24, ist eine Weihnachtsmesse des Augsburger Kirchenmusikers Karl Kempter (1819–1871). Sie vertont das vollständige lateinische Ordinarium in sechs Sätzen von zusammen rund 17 Minuten, wurde am Heiligen Abend 1851 in Augsburg uraufgeführt und gehört seither fest zur Weihnachtsmusik in Bayern.

Kempter war über Jahrzehnte Organist am Augsburger Dom und wurde 1865 Domkapellmeister — er wusste also sehr genau, was ein guter Kirchenchor an einem Feiertag leisten kann und was nicht. Diese Erfahrung hört man der Messe an. Der Chorsatz ist überwiegend homophon und gut singbar, die Soli sind kurz, und die Instrumente färben, statt zu dominieren.

Kempter hat zahlreiche Messen und weitere Kirchenmusik geschrieben; keine ist so lebendig geblieben wie op. 24. Das liegt nicht an ihrer Schwierigkeit, sondern an ihrem Ton. Die Pastoralmesse klingt nach Krippe, Hirten und Winternacht — und sie tut das, ohne je ins Kitschige zu kippen.

Was eine „Pastoralmesse“ ausmacht

Eine Pastoralmesse ist eine Weihnachtsmesse in der Musiksprache der Hirten: wiegender 6/8-Takt wie in einem Wiegenlied, Bordunbässe wie von Dudelsack oder Drehleier, Melodien in parallelen Terzen und Sexten. Die Gattung blühte seit dem 18. Jahrhundert im katholischen Süddeutschland und in Österreich.

Bei Kempter lässt sich das Hirtenidiom an drei Stellen sofort zeigen. Das Kyrie steht im 6/8-Takt, Andante, G-Dur, mit Flöte und Streichern über einem ruhigen Bass. Das Sanctus beginnt über einem liegenden Bordun aus G und D in den tiefen Streichern, bevor es im Allegro in ein jubelndes Hosanna ausbricht. Und das Benedictus wiegt sich im 6/8 in D-Dur, getragen von den Solostimmen.

Probenhinweis: Der 6/8-Takt ist das ganze Geheimnis dieser Messe. Dirigieren Sie das Kyrie in zwei, nicht in sechs, und lassen Sie den Chor die schwere Eins spüren — dann wiegt die Musik, statt zu stapfen. Klingt es zäh, liegt es fast immer an zu viel Gewicht auf jeder Achtel, nicht am Tempo.

Satz für Satz

Die sechs Sätze dauern ungefähr: Kyrie 2½ Minuten, Gloria 4½, Credo 4½, Sanctus 1, Benedictus 1½, Agnus Dei 2½. Das Credo verlangt die meiste Probenzeit, das Agnus Dei die meiste Gestaltung.

SatzTempo · Tonart · Taktca.Was er von Ihnen verlangt
KyrieAndante, ♩ = 80 · G-Dur · 6/82½ Min.Das Wiegen im 6/8 und saubere Soloeinsätze. Die Solostimmen antworten dem Chor — sie müssen sicher sitzen, sonst zerfällt der Dialog.
GloriaAllegro, ♩ = 120 · G-Dur · 4/44½ Min.Hell und festlich, Solo und Tutti wechseln in allen vier Stimmen. Diktion vor Klangschönheit — der Text trägt den Satz.
CredoAllegro moderato · G-Dur · 2/2 — Andante, Es-Dur, 4/4 — Tempo I4½ Min.Der Satz, dem Sie die zusätzliche Probe geben: zwei Tempowechsel, ein verhaltenes Et incarnatus est in Es-Dur und der Wiedereinstieg ins Allegro bei Et resurrexit.
SanctusAndante, ♩ = 80 · G-Dur · 6/8 → Allegro, 4/41 Min.Der Bordun im Bass verlangt Ruhe und Intonation; dann der Taktwechsel ins Hosanna ohne Zögern.
BenedictusAllegretto, ♩ = 100 · D-Dur · 6/81½ Min.Lyrisch und leicht, getragen von den Solostimmen — der Moment für Ihr Soloquartett.
Agnus DeiAndante, ♩ = 80 · g-Moll → G-Dur2½ Min.Ein flehendes g-Moll, das sich zum Dona nobis pacem in G-Dur aufhellt. Diesen Lichtwechsel sollte jeder in der Kirche hören.

Die Zeitangaben habe ich aus den gedruckten Metronomangaben meiner Ausgabe berechnet; mit Ritardandi und Atempausen landen Sie bei etwa siebzehn Minuten. Das passt in eine Christmette, ohne dass etwas anderes gestrichen werden muss.

Welche Besetzung brauchen Sie wirklich?

Das Minimum sind SATB-Chor und Organist. Mit Streichern erhalten Sie den warmen Kern des Werks; mit Flöte, Klarinetten, Hörnern, Trompeten und Pauken die volle pastorale Farbe und den Festglanz. Alle drei Stufen nutzen dieselben Chorstimmen.

StufeBesetzungIdeal fürProbenaufwand
MinimumSATB-Chor + OrgelZweiter Weihnachtsgottesdienst, kleine Kirchen, die ganze ProbenphaseNur Chor
Kern+ Violine I & II, Viola, Violoncello, KontrabassChristtag, Stephanitag, kleinere PfarrkirchenEine Streicherprobe, eine gemeinsame
Festlich+ Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Trompeten, PaukenChristmette, Weihnachtshochamt, WeihnachtskonzertEine gemeinsame Probe mit allen, kurz halten

Diese Leiter ist keine moderne Erfindung. Bibliothekskataloge führen in Kempters Original Streicher und Orgel als obligat, Flöte, Klarinetten, Hörner, Trompeten und Pauken dagegen als nicht obligat. Genau so ist die Messe in der Praxis immer gelebt worden: mit den Musikern, die man an Weihnachten bekommt.

Planen Sie die Leiter deshalb bewusst. Ein Chor, der aus einer Chorpartitur mit ausgeschriebener Orgelstimme probt, kann die Messe jederzeit auf der Minimalstufe aufführen. Ein grippekranker Hornist am 24. Dezember kostet Sie dann nicht die Aufführung, sondern nur ihre Farbe.

Brauchen Sie Solisten?

Nein. Kempter schreibt die Soli in die vier Chorstimmen hinein und bezeichnet sie mit „Solo“ und „Tutti“; es gibt keine eigenen Solosätze. Ein Quartett aus dem eigenen Chor ist die traditionelle und praktische Lösung.

Soli finden sich in Kyrie, Gloria, Credo, Benedictus und Agnus Dei, im Gloria in allen vier Stimmen. Sie sind kurz — die Herausforderung ist der sichere Einsatz aus dem Chorklang heraus, nicht die Länge. Bestimmen Sie Ihre vier Solostimmen spätestens in der dritten Probe, damit sie ihre Stellen mehrmals im Zusammenhang singen.

Wenn Sie vier Solisten engagieren können, gibt das der Christmette zusätzlichen Glanz. Nötig ist es nicht.

Ein Probenplan bis Heiligabend

Ein erfahrener Kirchenchor erarbeitet die Pastoralmesse in vier Proben zu je neunzig Minuten plus einer gemeinsamen Probe mit den Instrumentalisten. Wer im Oktober beginnt, hat Puffer für Krankheit, Adventstermine und das, was im Dezember immer dazwischenkommt.

ProbeSchwerpunktErgebnis
1Kyrie und Sanctus — das 6/8-Gefühl, lateinische AusspracheDie beiden pastoralen Sätze durchgesungen; Aussprache festgelegt
2Gloria — Text und Solo/Tutti-WechselDiktion im Aufführungstempo; die Tutti-Einsätze nach den Soli sitzen
3Credo in Abschnitten, Solisten bestimmenBeide Tempowechsel sicher; Et incarnatus est leise und gestaltet
4Benedictus und Agnus Dei, Durchlauf mit OrgelGanze Messe aufführungsfähig in der Minimalbesetzung
GemeinsamBalance, Einsätze und Tempi mit den InstrumentenAufführungsreif; auf neunzig Minuten begrenzen

Legen Sie die lateinische Aussprache in der ersten Probe fest und kommen Sie nie wieder darauf zurück. Deutsches Kirchenlatein und italienisches Latein sind beide vertretbar; ein Chor, der halb das eine und halb das andere singt, ist es nicht.

Terminhinweis aus Erfahrung: Instrumentalisten für Heiligabend und den Christtag sind die gefragtesten Musiker des Jahres. Fragen Sie im Oktober an, nicht im Dezember — und legen Sie die gemeinsame Probe so, dass sie nicht mit den Adventskonzerten der Umgebung kollidiert.

Wo sie ins Kirchenjahr gehört

Liturgisch ist die Pastoralmesse die naheliegende Wahl für die Christmette und das Hochamt am Christtag; sie passt durch die ganze Weihnachtszeit, über Stephanitag und Neujahr bis Dreikönig. Im Konzert füllt sie mit rund siebzehn Minuten die erste Hälfte eines Advents- oder Weihnachtsprogramms.

Um die Messe herum brauchen Sie Lieder, die die Gemeinde kennt. Stille Nacht für gemischten Chor gehört in vielen Kirchen ans Ende der Christmette, und Maria durch ein Dornwald ging ist der stille Adventston davor. Für ein ganzes Konzert habe ich Programmfolgen in Weihnachtskonzert mit Chor planen beschrieben, und für die liturgische Seite lohnt der Blick auf die musikalische Gestaltung katholischer Hochämter.

Wenn Ihr Chor die Pastoralmesse gut kann, ist Mozarts Spatzenmesse der natürliche nächste Schritt für Ostern — ähnliche Länge, ähnliche Besetzung, aber ein ganz anderer, strahlender C-Dur-Ton. Den Praxis-Leitfaden dazu finden Sie unter Mozarts Spatzenmesse aufführen.

Die richtige Ausgabe wählen

Kempters Musik ist gemeinfrei, Aufführungsmaterial ist es nicht. Gedrucktes Material zu dieser Messe wird traditionell in Einzelteilen verkauft — Partitur, Chorpartituren, Bläsersatz, Streichersatz — und per Post geliefert. Prüfen Sie vor der Entscheidung fünf Dinge.

PrüfpunktWarum er zählt
Partitur und alle Stimmen aus einer Hand?Material aus verschiedenen Ausgaben hat verschiedene Taktzahlen, Studierbuchstaben und Wendestellen. Das kostet in jeder gemeinsamen Probe Zeit.
Chorpartitur mit ausgeschriebener Orgel?Nur damit kann der Organist die Messe allein begleiten — und nur damit hat der Chor in der Probe dieselben Seiten wie in der Aufführung.
Einzelne Singstimmen?Eine einzeilige Sopran-, Alt-, Tenor- oder Bassstimme ist das, womit Sängerinnen und Sänger zu Hause üben — gerade bei Weihnachtsproben mit wenig Zeit.
Solo und Tutti markiert?Wenn die Soli aus dem Chor kommen, muss jede Sängerin und jeder Sänger sehen, wo das Quartett allein singt und wo alle wieder einsetzen.
Sofort verfügbar und beliebig oft druckbar?Wer im Oktober plant, kann nicht wochenlang auf Noten warten — und braucht im nächsten Jahr wieder einen vollständigen Satz.

Unsere Ausgabe der Pastoralmesse ist genau um diese Punkte herum eingerichtet: Dirigierpartitur, alle 19 Stimmen einschließlich eigener Singstimmen, eine SATB-Chorpartitur und eine Chorpartitur mit vollständiger Orgelstimme auf der Seite, Soli markiert, als Sofort-Download. Es ist das Material, aus dem ich dirigiere.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert Kempters Pastoralmesse?

Rund 17 Minuten für das vollständige Ordinarium, berechnet aus den gedruckten Metronomangaben: Kyrie etwa 2½ Minuten, Gloria 4½, Credo 4½, Sanctus 1, Benedictus 1½ und Agnus Dei 2½. Damit passt sie in eine Christmette oder ein Weihnachtshochamt, ohne dass anderes entfallen muss.

Wie ist die Pastoralmesse besetzt?

Bibliothekskataloge führen Kempters Original für SATB-Soli und Chor, Streicher und Orgel, dazu Flöte, zwei Klarinetten, zwei Hörner, zwei Trompeten und Pauken als nicht obligat. Moderne Aufführungsausgaben wie die von Paul Lorenz liefern dafür getrennte Stimmen für Violine I und II, Viola, Violoncello und Kontrabass sowie eine ausgeschriebene Orgelstimme.

Braucht man Solisten für die Pastoralmesse?

Keine eigens engagierten. Die Soli stehen in den vier Chorsystemen und sind mit „Solo“ und „Tutti“ bezeichnet; ein Quartett aus dem eigenen Chor ist die traditionelle und praktische Lösung. Engagierte Solisten geben an Weihnachten zusätzlichen Glanz, ihr Fehlen verhindert aber keine Aufführung.

Kann man die Pastoralmesse nur mit Chor und Orgel aufführen?

Ja. Mit einer Chorpartitur, die die vollständige Orgelstimme auf derselben Seite trägt, können Chor und Organist die ganze Messe allein aufführen — ideal für den zweiten Gottesdienst des Tages, eine kleine Kirche oder die Probenphase. Streicher und Bläser erweitern dasselbe Material, ohne dass sich an den Chorstimmen etwas ändert.

Wie schwer ist die Pastoralmesse?

Mittelschwer. Der Chorsatz ist überwiegend homophon, die Tempi reichen von Andante bis Allegro, und die Soli sind kurz. Die eigentliche Arbeit liegt im leichten 6/8 von Kyrie, Sanctus und Benedictus, in den Tempowechseln des Credo und in sicheren Soloeinsätzen.

Wann wird die Pastoralmesse aufgeführt?

Traditionell in der Christmette am Heiligen Abend und im Hochamt am Christtag, dazu durch die ganze Weihnachtszeit bis Dreikönig. Uraufgeführt wurde sie am 24. Dezember 1851 in Augsburg. Im Konzert eignet sie sich als erste Hälfte eines Advents- oder Weihnachtsprogramms.

Ist Kempters Pastoralmesse gemeinfrei?

Ja — Karl Kempter starb 1871, seine Komposition ist gemeinfrei, und für das Werk selbst fallen keine Tantiemen an. Moderne Ausgaben sind davon unabhängig geschützt: Notensatz und eingerichtete Stimmen gehören ihrem Verlag, und Ihr Recht zu drucken und aufzuführen kommt mit der Ausgabe, die Sie kaufen.

Wie viele Proben braucht die Pastoralmesse?

Ein erfahrener Kirchenchor schafft sie in etwa vier Proben zu neunzig Minuten plus einer gemeinsamen Probe mit den Instrumentalisten. Wer im Oktober beginnt, hat genug Puffer bis Heiligabend.